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Aktuelle Ausgabe

Bd. 1 Nr. 1 (2026): Eine internationale Fachzeitschrift wird geboren

Die Pränatale Psychologie ist eine vergleichsweise junge wissenschaftliche Fachdisziplin, die zudem jahrzehntelang um Anerkennung in der akademischen Gemeinde ringen musste. Als sich Wissenschaftler um Gustav Graber vor über 50 Jahren zu einer ersten Fachgesellschaft zusammenschlossen, standen sie lange Zeit im Abseits und wurden als Parawissenschaftler belächelt, obwohl ihre Thesen schlüssig und evident waren. Selbst als mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen ganz offensichtlich wurde, dass es sich beim intrauterinen Kind um ein fühlendes soziales Wesen handelt, blieben die Vorbehalte gegenüber der Pränatalen Psychologie bestehen.

Entsprechend schwer war es, eine wissenschaftliche Fachzeitschrift zur Veröffentlichung der Forschungsergebnisse zu etablieren. Es ist das Verdienst des aus Bratislava stammenden Psychologen, Psychiaters und Geburtshelfers Prof. Peter G. Fedor-Freybergh, dass die Pränatale Psychologie auch in der publizierten Fachwelt wahrgenommen werden konnte. 1979 initiierte er das „International Journal of Prenatal and Perinatal Psychology and Medicine“, das zunächst in einem englischen Verlag erschien und 1981 vom Heidelberger Mattes-Verlag übernommen wurde. Er betreute das bis 2009 in einem deutsch-englischen Format erscheinende Journal mit großer Leidenschaft und Präzision und etablierte damit eine erste und bedeutsame Stimme der Pränatalen Psychologie, die bis heute wahrnehmbar ist. Sämtliche Artikel der Zeitschrift wurden vom Mattes-Verlag digitalisiert und sind unter www.mattes.de abrufbar.

Aus Respekt und in Anerkennung der großen publikatorischen Leistung Fedor-Freyberghs und zahlreicher anderer Autorinnen und Autoren sollen auch in unserem neuen Format immer wieder Artikel aus dem „International Journal“ erscheinen, weil diese frühen Kenntnisse zeitlos und bis heute inspirierend sind. 1987 gab Fedor-Freybergh erste Forschungsübersichten in Buchform im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Pränatale und Perinatale Psychologie – Begegnung mit dem Ungeborenen“ und 1988 im angloamerikanischen Raum unter dem Titel „Prenatal and Perinatal Psychology – Encounter with the Unborn“ heraus und war bis zu seinem Tod 2021 eng mit der Pränatalen Psychologie verbunden.

Bereits zu Fedor-Freyberghs Lebzeiten übernahm der deutsche Psychotherapeut und Psychohistoriker Dr. Ludwig Janus – dankenswerterweise Mitglied des Boards der vorliegenden Zeitschrift – wesentliche Aufgaben bei der publikatorischen Sammlung und Verbreitung des Wissens aus der pränatalen Psychologie. Als unermüdlicher und hoch produktiver Autor und sachkritischer Rezipient der Fachliteratur trägt er ganz wesentlich dazu bei, dass die Pränatale Psychologie im wissenschaftlichen Diskurs zunehmend wahr- und ernstgenommen wird.

Die logische Konsequenz dieser Entwicklung ist der Versuch, eine europäische Fachzeitschrift als Organ der Pränatalen Psychologie zu etablieren, die das historische Vorbild des Internationalen Journals in moderner Form und den aktuellen wissenschaftlichen Standards entsprechend aufgreift und weiterentwickelt. Mit der vorliegenden ersten Ausgabe soll dieses neue Format ins Leben gerufen werden.

Mehrere Wissenschaftler haben seit Monaten die logistischen und fachlichen Voraussetzungen erarbeitet und die Standards für die Zeitschrift formuliert. Einer der wichtigsten Unterstützer dieses Projektes kann leider diese erste Ausgabe nicht mehr erleben: Prof. Dr. Otwin Linderkamp hat sich bis kurz vor seinem Tod unermüdlich dafür eingesetzt, dass auf dem Boden der Internationalen Gesellschaft für prä- und perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM) wieder eine Fachzeitschrift erscheinen kann. Ihm und den anderen Mitgliedern der Redaktion sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.

Und nun grüßen wir die Leserschaft und wünschen dem European Journal of Prenatal and Perinatal Psychology and Health, dass es möglichst viele Menschen erreicht und bereichert.

Veröffentlicht: 15.04.2026
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